Vermehrung von Bartagamen

Paarungsverhalten, Paarung, Eiablage

Hält man Bartagamen nicht einzeln, sondern paarweise, oder als Gruppe, lässt es sich nicht vermeiden, daß sich die Tiere früher oder später paaren. Bei uns ist es so, dass unser Männchen kurz nach der Beendigung der Winterruhe heftig anfängt zu nicken, seinen Bart schwarz färbt und anfängt das Weibchen zu bedrängen. Dieses Jahr war es so schlimm, daß wir unser Weibchen separieren mussten und uns jetzt dazu entschlossen haben, die Gruppe um ein Weibchen zu erweitern, um den Stress für unser älteres Weibchen etwas zu reduzieren. Dieses Verhalten des Männchens dauert bei uns die gesamte Wachphase über an, wird jedoch zum Sommer und Spätsommer hin spürbar weniger. Hat das Männchen mit der Balz Erfolg, ist also das Weibchen paarungsbereit, wird die Paarung vollzogen. Diese ist alles andere als ein „Akt der Liebe“ und sieht doch stark nach Vergewaltigung aus. Das Männchen setzt seinen Nackenbiss um das Weibchen zu fixieren. Anschließend führt er einen der beiden Penisse in die Kloake des Weibchens ein. Das Ganze dauert maximal 5 Minuten, meist deutlich weniger. Bei unserem Pärchen konnten wir mehrere Paarungen in den darauf folgenden Tagen beobachten. Im Laufe der nächsten Wochen sollte dem Weibchen dann besonders hochwertige Nahrung gegeben werden, da die Trächtigkeit sehr an den Reserven zehrt. In dieser Zeit wird das Weibchen immer dicker, bis sich zum Ende der Trächtigkeit hin, die Eier deutlich an den Seiten abzeichnen. Nach etwa 4 1/2 Wochen wird unser Weibchen dann zunehmend unruhiger und beginnt mit den Probegrabungen. Manche Halter berichten von einer Einstellung der Nahrungsaufnahme, unser Weibchen jedoch fraß bis zum letzten Tag. Hat man ein Ausweichterrarium, sollte man jetzt das Männchen herausnehmen, um dem Weibchen die nötige Ruhe zur Eiablage zu schaffen. Ist das Becken vernünftig eingerichtet (Substrathöhe ausreichend) muss man lediglich einige Stellen im Terrarium befeuchten, daß Weibchen sucht sich dann eine geeignete Stelle zur Eiablage. Hat man keine Stelle für die Eiablage, stellt man eine mit feuchtem Sand gefüllte Schale ins Terrarium und hofft, daß das Weibchen diese als Eiablageplatz akzeptiert. Findet das Weibchen keinen vernünftigen Eiablageplatz, oder hat es zuviel Stress, kann es zu Legenot kommen. Diese ist für das Tier lebensbedrohlich, da nur durch Medikamentengabe oder eine Operation zu lösen. Bei einem Freund von uns wurden einmal die Eier ohne Vergraben einfach ins Terrarium gelegt. Die Zahl der abgelegten Eier variiert stark, der Literatur gibt Gelegegrößen von bis zu 28 Eiern an, dieses Jahr waren es bei unseren 4 Gelegen 24, 22 und zweimal 18 Eier. Die Gelegegröße nahm also im Laufe des Jahres ab. Befreundete Halter berichteten ähnliches. Nach der Eiablage sollte man das Gelege in jedem Fall entnehmen, egal ob man inkubieren will oder nicht, da es nicht gerade selten vorkommt, das aus im Terrarium gelassenen Gelegen Jungtiere schlüpfen.


 

unsere Zwei

Inkubatorbau, Inkubation

Hat man sich nun entschlossen einen Teil, oder das gesamte Gelege zu inkubieren (Man sollte sich sehr genau überlegen, ob man inkubiert oder nicht, der Markt für Bartagamen ist völlig überlaufen, es ist kaum noch möglich die Tiere loszuwerden) stellt sich die Frage nach einem Inkubator. Hier gibt es verschiedene Modelle am Markt, in eigentlich allen Preisklassen. Wir persönlich benutzen einen selbstgebauten Inkubator, welcher bisher gute Ergebnisse geliefert hat. Er besteht aus einem Styroporkarton. In etwa 10cm Höhe wurde ein Loch geschnitten, durch welches ein Aquarienheizstab geführt wurde, anschließend wurde das Loch mit Silikon wieder verschlossen. Um den Kontakt des Aquarienheizstabs mit dem Styropor zu verhindern (Brandgefahr!), wurde der untere Bereich mit Glas ausgekleidet und mit Silikon versiegelt. In diese Wanne wird dann Wasser gefüllt. Aus engmaschigem Stahldrahtgeflecht (ein Abstreichsieb aus dem Malerzubehör tut es auch) wurde die Ablage für die Heimchendosen hergestellt. Zu guter Letzt wurde in den Deckel ebenfalls ein Loch geschnitten um eine Scheibe einzusetzen (schräg, um kontrollierten Ablauf des Schwitzwassers zu gewährleisten). Diese Scheibe dient als Kontrollfenster. Nun wird in mehreren Versuchen über die Regulation des Aquarienheizstabs die gewünschte Temperatur eingestellt– fertig. Das alles sollte natürlich erfolgen, bevor die Eier abgelegt wurden.

Hat das Weibchen nun ihre Eier abgelegt, entnimmt man das Gelege und überführt die gewünschte Anzahl Eier in mit angefeuchtetem Vermiculite (Seramis geht auch) gefüllte Heimchendosen, welche man dann in den Inkubator bringt. Bei Temperaturen von 26°C bis 31°C schlüpfen die Jungen nach 60– 80Tagen. Ein immer wieder propagierter Zusammenhang zwischen Inkubationstemperatur und der Schlupfrate weiblicher Tiere, besteht bei Bartagamen meines Wissens nicht (jedenfalls nicht wissenschaftlich belegt).


Aufzucht der Jungtiere

Sind die Eier im Inkubator, sollte man sich Gedanken um den Bau oder den Kauf von geeigneten Aufzuchtterrarien machen. Wir haben zwei 100cm x 40cm x 40cm Terrarien, welche bei Bedarf noch teilbar sind, sowie ein 60cm x 50cm x 50cm und ein 60cm x 40cm x 40cm Terrarium für die Aufzucht unserer Jungtiere.

Wenn es dann nach 60– 80 Tagen endlich soweit ist, und die ersten Jungtiere schlüpfen, lassen wir die Kleinen noch ein paar Stunden im Inkubator (in einer mit Zewa ausgelegten Heimchendose), bevor wir sie ins Terrarium (ebenfalls mit Zewa ausgelegt) setzen. Hat sich dann der Bauch geschlossen (Dottersack) kommen sie in ein Terrarium mit Sand als Untergrund. Das ist dann auch der Punkt, an welchem versucht wird, das erste mal zu füttern. Die Zwerge füttern wir mit kleinen Grillen, Buffalowürmern (Getreideschimmelkäferlarven), Wachsmaden, kleinen Heuschrecken, Asseln und anderem in passender Größe (Faustregel: maximale Größe des Futtertieres = Breite des Kopfes). Außerdem bieten wir auch den Kleinen schon täglich Grünfutter sowie Sepiaschulp an. Und, ebenfalls wie die Großen, werden sie regelmäßig mit der Ultra Vitalux bestrahlt. Beachtet man dies alles, kann man den Kleinen regelrecht beim Wachsen zusehen und hat viel Freude mit ihnen, bis der Moment des Abschieds kommt und sie abgeholt werden und in ein neues, schönes zuhause ziehen...